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philosophie:
menschenbilder

Philosophie beschreibt Menschen- und Weltbilder, sie versucht ein Bild zu zeichnen, wie sie den Menschen und die Welt sieht.

Menschenbilder sind allgemeine Vorstellungen vom Sinn des menschlichen Daseins in der Welt, seinem Wert und von bestimmten Eigenschaften des Menschen. Diese Vorstellungen bilden das Motiv und die Leitlinien jedes menschlichen Handelns.

In der Geschichte gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen über das, was der Mensch sei und was ihn zu einem bestimmten Handeln in seinem Leben und der Welt veranlasst.

Die philosophischen Grundlagen von coachingprofessional.de beziehen sich auf ein Menschenbild, welches sich Mitte des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat. In dieser Zeit entwickelte sich die Philosophie einer "humanistischen Psychologie", die versuchte, die Philosophien früherer Strömungen miteinander zu verbinden.

Zuvor war das neuzeitliche Menschenbild der westlichen Welt durch die Grundannahmen der Psychoanalyse und des Behaviorismus geprägt.

Beide Ansätze gehen in ihrem Menschenbild davon aus, dass der Mensch einer grundsätzlichen Determination unterliegt und räumen dem Menschen nur eine sehr begrenzte Kontrolle über sein eigenes Leben ein: Sie betrachten den Menschen als nahezu willenlos und von innen oder außen gesteuert. Die Psychoanalyse sieht den Menschen determiniert durch das Unbewusste (alles Handeln und Verhalten hat unbewusste Motive), der Behaviorismus legt die Determination durch die Umwelt zugrunde (menschliches Verhalten erfolgt - maschinengleich - der Gesetzmäßigkeit einer Reiz-Reaktionskette, d.h. unterliegt 'automatenhaft' Belohnungs- und Bestrafungsreizen und ist steuerbar).

Die Entwicklung der Humanistischen Psychologie hat sich in Abgrenzung zu diesen Grundannahmen des Behaviorismus und der Pschoanalyse herausgebildet.

Als sogenannte dritte Kraft bildete sich in den USA eine Bewegung, die gegen diese psychologischen Paradigmen des Determinismus antrat und einen neuen Ansatz begründete der die bisherigen Erkenntnisse der Psychologie vor dem Hintergrund des Humanistischen Gedankens in ein neues Licht rückte.

Ziel dieser Bewegung war es, eine Theorie und Methoden zu entwickeln, die den Menschen als Ganzes in seiner Selbstverantwortlichkeit berücksichtigten und nicht nur Anteile seiner mentalen und psychophysiologischen Ressourcen. Darüberhinaus wurden Methoden angestrebt, die dem Individuum konstruktive, mittelfristig erreichbare Veränderungen ermöglichen.

1961 wurde in den USA die AHP gegründet, die 'American Association of Humanistic Psychology'.

Die Humanistische Psychologie geht von einem spezifischen Menschenbild aus, welches sich an 5 Grundannahmen orientiert.

Diese "Leitlinien" der AHP waren für die Entwicklung der Humanistischen Psychologie richtungsweisend und bilden den philosophischen Hintergrund einer Vielzahl von pädagogischen und therapeutischen Schulen, die bis in die heutige Zeit praktiziert und weiterentwickelt werden:
Transaktionsanalyse, Themenzentrierte Interaktion, Logotherapie, Gestalt-, Gesprächspsychotherapie, Encounter, Psychodrama, Focusing, die überwiegende Anzahl der Coachingangebote, etc.

Unter den wichtigsten Gründern und Vertretern der Humanistischen Psychologie lassen sich Carl Rogers, Charlotte Bühler, Abraham Maslow, Fritz u. Laura Perls, Ruth Cohn, Paul Goodman, Eugene Gendlin, Erich Fromm, Arno Gruen, Alice Miller.... u.v.a. nennen.

Viele weitere humanistisch orientierte pädagogisch-psychologische Schulen und Konzepte sind mit ihren Methoden und Grundhaltungen aus diesem zeitgeschichtlichen Kontext hervorgegangen.

Im Folgenden sind die Grundannahmen aufgeführt:
beigefügt ist jeweils ein erklärender Auszug aus den Leitlinien der AHP.

1. Der Mensch ist eine Ganzheit, er ist mehr als die Summe seiner Teile (Körper/Seele/Geist)

Ganzheit oder Ganzheitlichkeit sind philosophische Annahmen. Der Mensch ist eine Einheit. Der Leib-Seele Dualismus resp. Trennung zwischen Materie und Geist oder Vernunft und Gefühl werden nach dieser Auffassung abgelehnt. Gleichzeitig können die Einzelteile nicht "additiv" zusammengefügt werden, ----> das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Die Humanistische Psychologie strebt nach einem integrativen Ansatz, die Person wird als Ganzheit in seinen Lebensbezügen verstanden. Es gibt keinen Ausschluss eines bestimmten körperlichen, geistigen oder sinnlichen Ausdrucks.

2. Der Mensch ist in seinem sozial-gesellschaftlichen Kontext zu verstehen, er handelt nicht isoliert sondern in Wechselwirkung mit seinem Beziehungsumfeld

Menschliches Existieren vollzieht sich in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Humanistische Psychologie studiert den Menschen mit seinem Potential in Beziehung zu seinem Umfeld als soziales Wesen und nicht isoliert von seinen sozialen Bezügen.

3. Der Mensch ist sich seiner selbst - in einem bestimmten Maße - bewusst

Ein Wesensmerkmal des Menschen ist, dass er bewusst erleben kann, dass er Bewusstheit über sich selbst erreichen kann, unabhängig davon, wieviel dem Bewusstsein jeweils zugänglich ist. Diese Möglichkeit des bewussten Erlebens ist Voraussetzung dafür, menschliche Erfahrungen (eigene und fremde) verstehen zu können. Die Humanistische Psychologie setzt an den bewussten Erfahrungen des Individuums an - im Gegensatz zu der Psychoanalyse, die die unbewussten Kräfte zum Zentrum ihrer Modellbildung macht. Ausgangspunkt ist das Gegenwärtige, nicht das Verborgene und Verdrängte, welches erst aufgedeckt werden soll.

Es gibt nach diesem Verständnis eher verschiedene Formen von Bewusstsein - etwas kann ganz klar oder vage am Rand des Bewußtseins sein, es kommt auf die Perspektive der Aufmerksamkeit des Individuums an. Subjektives Erleben des Individuums und subjektive Bedeutungsbildung stehen im Mittelpunkt dieses Ansatzes. Es kann demnach kein objektives Wissen einer Person über ein anderes Individuum geben.

4. Der Mensch hat Wahlmöglichkeiten, er kann sich verändern

Der Mensch ist in der Lage, zu wählen und zu entscheiden. Unabhängig von der Diskussion, ob der menschliche Wille frei ist, ist die Möglichkeit der Wahl ein phänomenologisches Faktum. Dadurch kann der Mensch sein aktuelles So-Sein, den aktuellen Zustand, überschreiten und sich wandeln. Wir können uns ändern, wir können erkennen, was wir tun, wir können Unterschiede machen, wir können Alternativen entwerfen und uns aktiv entscheiden, gestaltend auf unser Leben einwirken und unser Potenzial nutzen. Wir sind nicht nur Opfer der Gegebenheiten, wir haben einen gewissen Freiheitsspielraum. Wandel ist unvermeidbar, das Leben ist ein Prozess, Entwicklung ist ein positiv besetzter Wert. Der Mensch ist Gestalter seiner Existenz.

5. Der Mensch lebt ausgerichtet auf Werte und Ziele, diese sind je nach Kultur und Persönlichkeit verschieden

Der Mensch orientiert sich in seinem Leben an Werten und Zielen, die einen Teil seiner Identität bilden. Diese Gerichtetheit kann komplex, einseitig oder paradox sein, sie wird als spezifisch menschliches Merkmal angesehen. Grundsätzlich ist der Organismus eines Menschen vertrauenswürdig. Nach dieser Annahme muß er nicht erzogen, reglementiert oder sozialisiert werden.